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im Wintersemester 2009/10
gemeinsame Veranstaltung des Lehrinstituts und der DPG-Arbeitsgruppe (bitte beachten Sie die unten stehenden organisatorischen Hinweise)
►6. Freitag 05.02.2010, 19:00-20:30 Das Pelvipathie-Syndrom – eine häufige Somatisierungsstörung in der Frauenheilkunde – Diagnostik und Therapiekonzept Vortrag von Prof. Dr. med. Dietmar Richter Moderation : N. Christoff
►7. Freitag 19.02.2010, 19:00-20:30 Kindersexualität – Konturen eines dunklen Kontinents Vortrag von Prof. Dr. G. Schmidt Moderation : N. Christoff Abstract: Unsere Auffassungen zur Sexualität von Kindern werden bis heute von zwei zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts erschienenen Werke beeinflusst, nämlich Sigmund Freuds „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ und Albert Molls Studie „Das Sexualleben des Kindes“. In diesen Werken wurden paradigmatisch unterschiedliche Sichtweisen entwickelt, die der Autor als homologe (Moll) und „heterologe“ (Freud) Konzepte bezeichnet. Während die Vertreter des homologen Modells strukturelle Ähnlichkeiten von Kinder- und Erwachsenensexualität betonen, bestehen die Vertreter des heterologen Modells auf der Besonderheit und der strukturellen wie qualitativen Unterschiedlichkeit der Sexualität von Kindern. Der Autor stellt die wichtigsten Ergebnisse der Positionen dar und erörtert ihre Probleme. Die Ansichten der homologen Position erscheinen uns heute zu wenig differenziert und werden insbesondere dem komplexen Phänomen der sexuellen Sozialisation nicht gerecht. Aus der heterologen Position heraus wurden hingegen zentrale theoretische Konzepte der sexuellen Entwicklung begründet - nämlich Robert Stollers „Microdots, John Moneys „Love maps“, Laufer und Laufers „zentrale Masturbationsphantasie“ oder Simon und Gagnons „intrapsychische sexuelle Skripte“. -, die unser heutiges Verständnis von sexueller Entwicklung und sexuellen Problemen nachhaltig bestimmen.
►8. Freitag 30.04.2010, 19:00-20:30 (Un)mögliche Begegnungen. Unsere Angst, aus dem Rahmen zu fallen Vortrag von D. Pflichthofer Moderation : J. Bilger-Umland Abstract:Ohne genügend hinreichend gute innere Objekte ist psychisches Überleben nicht möglich. Damit gute Objekte Teil der inneren Realität werden können, müssen sie – nach meiner Überzeugung – irgendwann in der äußeren Realität erfahren und erlebt werden. In der Psychoanalyse ist unser wichtigstes Hilfsmittel die Übertragung. »Es ist also völlig normal und verständlich, wenn die erwartungsvoll bereitgehaltene Libidobesetzung des teilweise Unbefriedigten sich auch der Person des Arztes zuwendet« (Freud, Zur Dynamik der Übertragung). Damit haben wir zu rechnen. Aber was ist, wenn eben das nicht »spontan« geschieht, wenn sich die »libidinösen Erwartungseinstellungen« nicht an die Analytikerin und auch an sonst niemanden mehr richten? Wenn der Patient sich gewissermaßen damit abgefunden hat, dass er auf dieser Welt allenfalls geduldet aber keinesfalls willkommen ist? Es handelt sich – wenn man so will – nicht „nur“ um »schlecht behandelte Kinder«, sondern um solche, die niemals das Gefühl entwickeln konnten, von ihren Eltern psychisch besetzt worden zu sein. Ihre inneren Objekte sind nicht einfach nur »schlecht«, sondern gleichgültig. Man kann vielleicht noch den Hass eines Objektes ertragen, dann ist man wenigstens für dieses noch vorhanden, aber die Gleichgültigkeit des existentiell notwendigen Primärobjektes lässt einen gleichsam verschwinden, kommt einer frühen Auslöschung gleich. Patienten mit diesen Erfahrungen reagieren auf Übertragungsdeutungen irritiert bis alarmiert und wir haben in solchen Behandlungen zunehmend das Gefühl, eigentlich gar nicht so recht vorzukommen, allenfalls als sachliche „Deutungsautomaten“. Wir sind es gewohnt, den psychoanalytischen Rahmen als Sinn und Sicherheit gebendes Element zu sehen. Auch wir halten uns an ihm fest. Zu Recht. Aber gleichzeitig ist für diese Patienten der Rahmen absolut. Alles was wir tun, tun wir, weil es – aus ihrer Sicht - der Rahmen bestimmt, weil wir es tun müssen. Was diese Menschen sich nicht vorstellen können, ist von einem anderen Menschen psychisch besetzt zu werden, in dessen innerer Welt eine Bedeutung zu haben. Sie können – vor allem zu Beginn der Therapie – nicht zwischen Neutralität und Gleichgültigkeit unterscheiden. Hier stellt sich die Frage, wie wir diesen Patienten begegnen können. Wie können wir mit ihnen eine neue gemeinsame Wirklichkeit schaffen? Wie können wir uns als Objekt empfehlen, dem sich die »bereitgehaltene Libidobesetzung« überhaupt wieder zuwenden mag? Ich möchte versuchen, mich in meinem Vortrag diesen Fragen zum einen theoretisch, zum anderen anhand eines klinischen Beispiels praktisch zu nähern.
►9. Freitag 11.06.2010, 19:00-20:30 Die Stimme beim Sprechen Vortrag von J. Scharff Moderation : G. Pöttgen-Havekost Abstract: Wie sprechen wir mit unseren Patient(innen)en? Wie spricht der/die Patient(in) mit uns? In meinem Vortrag wird es nicht so sehr um die inhaltliche Bedeutung dessen gehen, worüber in der analytischen Situation gesprochen wird, sondern darum, unser Bewusstsein für das ‚Nonverbale im Verbalen’, die ‚musikalische’ Dimension im analytischen Dialog zu schärfen. Anhand ausgewählter Fallbeispiele soll aufgezeigt werden, wie Tonalität, Melodik, Rhythmik, aber auch die Auswahl der Worte vielfachen Variationen unterliegen. Dabei haben Stimme und Körperlichkeit eine unmittelbare Beziehung zueinander. Schult sich der/die Analytiker(in) darin, im Vor- oder Nachhinein in die Musikalität des Sprechens hineinzuhören, so können sich darüber wertvolle Erkenntnisse über gerade aktualisierte unbewusste Inszenierungen einstellen und manche gestischen Parameter mögen sogar bewusster gehandhabt werden als zuvor. So wird ein präsentischer Zugang gefunden für die Weise, wie Patient(in) und Analytiker(in) im Sprechen ganz unmittelbar ‚leibhaftig’ aufeinander einwirken.
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