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Eine Veranstaltungsreihe im Kino im Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover
Psychoanalytiker haben mit den meisten Kinobesuchern etwas gemeinsam: sie suchen nach (Be-)Deutungen für das Gehörte, Gesehene, Erlebte. Insofern liegt es nahe, die beiden Gruppen zusammen zu brigen, wie es mit dieser Reihe geplant ist. DIe Technik der Psychoanalyse ist nicht auf die Behandlung von Patienten beschränkt, man kann sie - “ohne ihrem Wesen Gewalt anzutun”, wie Freud es seinerzeit formulierte, auch in anderen Bereichen zur Anwendung bringen, so zum Beispiel bei der Analyse eines Films. Im Vordergrund steht dabei immer die Aufdeckung des Unbewussten oder das Auffinden eines hintergründigen, maßgeblichen Motivs.
Mittwoch 27.01.2010 19:00 – open end Film: „Babel“ Spielfilm USA 2006, (138 min.), Regie: A. G. Iñiarritu Inhalt des Filmes: Ein einziger Gewehrschuss verändert das Leben mehrerer Menschen auf drei Kontinenten, die sich fast nie begegnen. Bei fahrlässigen Schießübungen verletzen zwei marokkanische Jungen die amerikanische Bustouristin Susan (Cate Blanchett) lebensgefährlich. Ihr Mann Richard (Brad Pitt) bangt in einem Dorf bar medizinischer Hilfe um sie. Der Vorfall wird zum Politikum, und eine Jagd auf vermeintliche Terroristen nimmt ihren Lauf. Derweil schmuggelt die Haushälterin Amelia (Adriana Barraza) zwei Kinder mit auf eine Hochzeit in Mexiko. Und in Japan leidet die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) unter Vereinsamung. Weltumspannendes Ensembledrama mit vier raffiniert ineinander verwobenen Storys, in denen A. G. Iñiarritu ("21 Gramm") eindringlich und packend über Schuld, Schmerz, Vergebung und die Unfähigkeit miteinander zu sprechen meditiert. Abstract des Vortrags: Die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel handelt von dem zornigen Gott, der als Reaktion auf die menschliche Hybris, Gott ähnlich zu werden, die Menschen mit Sprachverwirrung bestraft. Die Verschiedenheit der Sprachen erfordert fortan das ständige Bemühen, den anderen in seiner jeweiligen Sprache zu verstehen. Aber bis wohin gelingt die Verständigung oder das gegenseitige Verständnis? Gibt es etwas „dahinter“, was unverstanden bleiben wird? Wenn die Kommunikation an ihre Grenzen kommt, sind diese Grenzen benennbar? Und wenn sie es sind, wären sie zu überwinden? Oder ist es so, dass die Grenzen der menschlichen Kommunikation erst den Raum öffnen für die Differenz, die den Anderen erkennbar macht, das Subjekt aber auch zurückwirft auf seine existenzielle Einsamkeit? Daneben scheint es gerade dieser (unbegrenzte?) Zwischenraum zu sein, der die Neugier auf das Andere erzeugt, die Lust an der Erkenntnis und die Fähigkeit zur Kreativität schafft. Babel ist ein Film, der im Stil des „cross-over“ im doppelten Wortsinn über Grenzen geht: Durch 3 Kontinente und 5 Sprachräume folgt der Zuschauer einer dramatischen Handlung, die ihn immer wieder nötigt, die eigene Begrenztheit des „noch-nicht-Verstehens“ zu ertragen.
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